• «Einbrüche sind oft Zufallstreffer»

«Einbrüche sind oft Zufallstreffer»

10.11.2021 Daniel Schaub

Themenabend Einbruchprävention – Winterzeit ist Hochzeit für Einbrüche – auch im Baselbiet. Am ersten Seminarabend des HEV Baselland Ende Oktober stand dieses Thema im Mittelpunkt.

Die Tage werden kürzer, die Dämmerung setzt ein – die Zeit für Einbrecher. «Das ist tatsächlich so», bestätigte Paul Steffen, seit zehn Jahren Beauftragter der Präventionsstelle Einbruchschutz bei der Polizei Basel-Landschaft, anlässlich eines Themenabends des HEV Baselland zur Einbruchprävention. Steffen nannte aber auch noch ein zweites Zeitfenster, den Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr, in dem viele Häuser verlassen sind.
Die weit verbreitete Meinung, Einbrecher würden sich ihre Objekte mit langwierigen Beobachtungen gezielt aussuchen, widerlegte der Experte. «Der grosse Teil der Einbrüche sind Zufallstreffer, der Einbrecher kommt, erkennt keine Störfaktoren und schlägt dann gleich zu. Und es ist auch längst nicht mehr so, dass Einbrecher an auswärtigen Auto-Kennzeichen oder an dunkler Kleidung zu erkennen sind, sie sind unauffällig.» Im Baselbiet gibt es jährlich etwas mehr als 1000 Einbruchdiebstähle. Das sind nur noch halb so viele wie noch vor einigen Jahren. Die verstärkte Patrouillentätigkeit der Baselbieter Polizei und auch zivile Polizistinnen und Polizisten, die an heiklen Orten und zu heiklen Zeiten verstärkt beobachten, haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

25 Einbrüche pro Woche
Dennoch wird im Baselbiet noch immer jede Woche rund 25 Mal eingebrochen, schwergewichtig in Stadtnähe und im Grenzgürtel Richtung Laufental. Der Baselbieter «Hotspot» ist dabei Allschwil. Dies habe sowohl mit der Grenz- wie auch mit der Stadtnähe zu tun, sagt Steffen, der das Risiko für einen Einbruchdiebstahl für Allschwil auf das fünffache des kantonalen Durchschnitts bezifferte. Ebenfalls häufiger wird in Münchenstein und Binningen eingebrochen.
Steffen ist seit 1980 Polizist, seit zehn Jahren widmet er sich verstärkt der Einbruchprävention. Er kann sich sehr gut in das Denken der Delinquenten hineinversetzen und weiss, was diese schätzen und was nicht. Er nahm die Besucherinnen und Besucher des HEV-Themenabends auf eine symbolische Einbruchstour mit. «Das Baselbiet ist für Einbrecher ein Paradies», sagte er leicht überspitzt und stellte fest, dass hier – gemessen an der hohen Anzahl an Wertsachen wie Bargeld, Schmuck, teure Uhren oder wertige Elektronik – generell ein schlechter Einbruchschutz an den Gebäuden vorzufinden sei. Selbst bei Neubauten werde dieser Thematik oft nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Nachrüstung gut möglich
Es sei aber baulich sehr gut möglich, nachzurüsten, denn es ist die Prävention, die bei Einbrechern für Verunsicherung sorge. Erkenne ein Einbrecher Hinweise, dass ein Gebäude alarmgesichert sei, lasse er in der Regel die Finger davon. Gute Schutzmassnahmen seien Stangenverschlüsse oder Mehrpunktverriegelungen an Türen, schliessbare Fenster oder Aussenbewegungsmelder, die Licht im Inneren des Gebäudes auslösen. Von Aussenbeleuchtungen hält Steffen wenig: «Sie sind ein wahrer Segen für die Einbrecher, die so einfacher erkennen, welche Fenster und Schliessvorrichtungen und Griffe vorhanden sind, wo die Kellertreppe ist.» Auch Kamerasysteme erachtet Steffen nicht als effektiven Einbruchschutz. Wirkungsvoller sind Aussensirenen (selbst wenn sie nicht echt sind) und effiziente Alarmsysteme. Die Einbrecher möchten den Weg des geringsten Widerstands gehen, sie nutzen Gelegenheiten, hantieren mit wenig Werkzeug und wollen in der Regel schnell handeln. Auch deshalb durchsuchen sie, einmal eingedrungen, in der Regel primär Standardverstecke für Wertsachen im Haus. Wer effiziente Einbruchprävention betreiben möchte und auch bereits ist, Geld zu investieren, fährt mit einer professionellen Beratung am besten. So kann individueller ein passendes Konzept entwickelt und umgesetzt werden. Am HEV-Themenabend zeigten Stefan Müller und Simone Krebser von der spezialisierten BSW Security AG in Birsfelden die Möglichkeiten und die individuellen Lösungsansätze auf. 

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Der HEV Themenabend Einbruchsprävention nochmals auf Video:

vimeo.com/ 641561722/c4b98650fb

Wertvolle Informationen und Broschüren zum Thema:

www.skppsc.ch/de/themen/einbruch

WEITERE THEMENABENDE:

24. November 2021:
Rund um das Wohneigentum im Alter

26. Januar 2022:
Energetische Sanierung und Finanzierung)

22. Februar 2022:
Gartengestaltung

21. März 2022:
Hausverkauf

Die Abende beginnen jeweils um 18 Uhr im Haus der Wirtschaft in Pratteln und beinhalten nach dem informativen Teil einen Apéro.
Anmeldungen per Mail oder telefonisch an die HEV-Geschäftsstelle:
E-Mail: hevbl(at)hev-bl.ch
Telefon: 061 927 64 17