• Tipps und Trends für den Garten

Tipps und Trends für den Garten

29.03.2021

Frühling kommt – Die Bedürfnisse für einen Platz der Ruhe und Erholung seien gestiegen, sagt Thomas Schulte, Präsident der Gärtnermeister beider Basel, im Interview zur bevorstehenden Gartensaison.

Die Gartensaison hat begonnen, Ostern steht vor der Tür – endlich können wir wieder an der frischen Luft sein. Wir haben mit Thomas Schulte, dem Präsidenten der Gärtnermeister beider Basel, über Gemüsebeete, heisse Sommer sowie Trends im Garten gesprochen.

Herr Schulte, welches sind 2021 die Trends rund um den Garten?

Thomas Schulte: Aufgrund der speziellen Situation hat der Stellenwert des Gartens enorm zugenommen. Das Bedürfnis nach einem Platz der Ruhe und Erholung sowie einem Ort, wo man sich zurückziehen und verweilen kann, wie auch der Wunsch nach Wasserflächen – ob mit Pools, Schwimmteichen oder Bachläufen – ist gestiegen. Hochbeete für den Anbau des eigenen Gemüses oder von Kräutern sind ein klarer Trend, auch die Beleuchtung des Gartens spielt immer mehr eine Rolle. Es wird immer wärmer und die Gartenbesitzer können mehr Zeit im Garten verbringen. Durch eine gekonnte Beleuchtung wirkt der Garten auch in der Dunkelheit spannend. Mit der eingesetzten LED-Technologie ist der Strom­verbrauch auch nicht mehr hoch. Man sollte aber die Lichtverschmutzung beachten, um die Flora und Fauna nicht zu stören.

Stichwort «Smart Gardening»: Welche interessanten Entwicklungen gibt es in diesem Bereich?

«Smart Indoor Gardening» ist eine neue Technologie, mit der man schmackhaftes und frisches Grün ohne Erde zuhause direkt anbauen kann. Sie brauchen dazu keinen Garten oder Balkon. Mit der richtigen Ausrüstung können Gemüse und Kräuter indoor kultiviert werden. Dies geht auch im Winter. Dies ist sicherlich eine spannende Lösung für Leute ohne Garten, die gerne etwas selbst erzeugen wollen.  

Immer mehr Menschen freuen sich über den eigenen «Pflanzblätz». Welche Tipps haben Sie für ein gelungenes ­Gemüse- und Kräuterbeet?

Der wichtigste Entscheid ist, heimische und dem Klima angepasste Sorten zu wählen. Dafür eignen sich besonders alte Sorten. Unbedingt zu empfehlen ist es, die Hinweise auf dem Saatgut über Krankheiten und Schädlinge zu beachten. 

Was ist von den Mini-Obstbäumen zu halten, die seit einiger Zeit auf den Terrassen und Balkonen sehr populär sind?

Eine schöne und attraktive Wahl, sich mit eigenem Obst zu versorgen. Es ist spannend, was es da schon alles gibt. Die richtige Pflege, der Schnitt und die Düngung sind sehr wichtig, da die Pflanzen nur einen beschränkten Lebensraum haben. Mit den Blüten werden auch weitere schöne Momente auf den Balkon gezaubert. Gerade die Säulenformen bieten sich bei kleinen Platzverhältnissen sehr gut an.

Milde Winter, heisse Sommer und wenig Niederschlag – unser Klima verändert sich. Was bedeutet das für die Gartengestaltung in unserer Region?

Es kommen neue Pflanzen zur Anwendung, welche eigentlich in wärmeren Gegenden zuhause sind. Es sind Pflanzen, welche in südlichen Regionen oder auf dem Balkan heimisch sind. Auch der Wasser­verbrauch rückt stärker ins Zentrum. Es kommen immer mehr Produkte zum Einsatz, welche das Wasser im Boden besser speichern und somit den Wasserverbrauch optimieren können.

Welche Pflanzen gehörten zu den Gewinnern dieser Entwicklung und welche Pflanzen zu den Verlierern?

Gewinner sind Pflanzen, die mit mehr Hitze und Trockenheit umgehen können. Das muss nicht unbedingt immer eine südländische Pflanze sein, sondern kann auch ein einheimisches Gewächs wie etwa die Flaumeiche – Quercus pubes­cens – sein. Verlierer sind sicherlich die Buchen und Rottannen sowie Pflanzen, welche konstant feuchte Böden brauchen.

Wenn es heiss wird, ist auch Wasser immer ein wichtiges Thema. Kann ich mit einer Bewässerungsanlage oder einem Regenwassertank Wasser sparen?

Sicher spart die richtige Einstellung der Bewässerungsanlage Wasser. Leider sind aber viele Anlagen nicht optimal eingestellt, weil sie zeit- und nicht witterungsbedingt geschaltet sind. Ein Regenwassertank kann den Trinkwasserverbrauch verbessern. Es ist aber entscheidend, dass die Grösse des Wassertanks mit den zu bewässernden Flächen abgestimmt ist.

Noch eine persönliche Frage: Welche drei Sachen dürfen in Ihrem Garten nicht fehlen?

Für mich sind kleine Orte für den Rückzug oder für eine andere Betrachtungsweise des Gartens enorm wichtig. Oft wird ein Garten immer nur aus einem Blickwinkel, dem Sitzplatz direkt am Haus, betrachtet. Durch weitere kleine Plätze kann der Garten aus verschiedenen Perspektiven genossen werden. Es braucht nicht viel Platz und man erlebt seinen Garten immer wieder neu. Zweitens sind es die Pflanzen. Bäume, Sträucher, Rosen, Gräser und Stauden sind die Grundpfeiler in einem Garten. Wir haben eine so grosse Vielfalt davon und können mit der nötigen Fachkompetenz dafür sorgen, dass sich der Garten das ganze Jahr hindurch mit seinen Blüten, Früchten, Rinden, Blattverfärbungen und Formen in Szene setzen kann. Mit der jährlichen Entwicklung der Grössen und Flächen der Pflanzen wirkt ein Garten so immer interessant und lädt zum Entdecken ein. Als Drittes ist Wasser für mich ein belebendes Element für jeden Garten. Sei es ein Pool, Schwimmteich, Brunnen, Wasserspiel oder Bachlauf. Wasser bringt je nach Art der Verwendung Freude, Spass, Erholung und Rauschen mit sich. Ich kann im Pool meine Runden schwimmen oder an einem Wasserspiel dem Geräusch des Wassers lauschen und in Gedanken den Alltag vergessen.

Interview: Patrick Herr

THOMAS SCHULTE
BILD: HEV Baselland

THOMAS SCHULTE

ist Präsident der Gärtnermeister beider Basel und Inhaber von Schulte Gartenbau GmbH in Oberwil.